Miteinander

Auch in Zeiten, in denen sich Präsenzunterricht und Distanzunterricht abwechseln, müssen sich Kinder durchgängig zur Klassengemeinschaft zugehörig erleben. […]

Lernförderliche Verknüpfung von Präsenz- und Distanzunterricht | Orientierungsrahmen für die Grundschule

Soziales Miteinander

Das soziale Miteinander hat gerade im Distanzunterricht einen besonderen Stellenwert. Für den Präsenzunterricht gelten dabei neue Regeln des sozialen Umgangs miteinander. Orientierungs- und Strukturierungshilfen können zu Transparenz und Klarheit beitragen und Kindern und Lehrkräften Sicherheit im Umgang miteinander geben.

Ziele und Grundsätze

Vor der Auswahl von Symbolkarten, Hinweisplakaten und Verstärkersystemen sollte geklärt sein, wozu diese dienen und welches Ziel damit erreicht werden soll. Sie sollten an das anknüpfen, was bereits in der Klasse bekannt ist und Symbole verwenden, auf welche sich die Schule geeinigt hat. Für Kinder mit sonderpädagogischem Unterstützungsbedarf sind Symbolkarten, Hinweisplakate und Verstärkersysteme darüber hinaus häufig für barrierefreies Lernen notwendig, wenn z. B. die Kompetenz Schriftsprache zu lesen gering ist oder, wenn der Erwerb von Sozialkompetenzen besonders zu fördern ist.

Umgangsregeln und Verstärkersysteme sind Teil des Classroom Managements.. Der Erfolg guten Unterrichts hängt auch von der Kooperation mit den Lernenden, innerhalb der Lerngruppe und der Erziehungspartnerschaft mit den Eltern ab. Das gemeinsame Ziel ist es, sowohl beim Distanzunterricht als auch beim Präsenzunterricht in Ruhe zu arbeiten und zu lernen. Visualisierungen mit Symbolen, Abläufen und Zwischenschritten dienen der Erinnerung von Regeln des sozialen Umgangs miteinander.

Die Gestaltung folgt dem Motto: „So viel wie nötig, so wenig wie möglich.“ Folgt man dabei den Prinzipien des Universal Design for Learning, profitieren alle Kinder, da somit immer mindestens zwei Wahrnehmungskanäle angesprochen, werden, indem Inhalte z. B. mit Schrift und einem Symbol für Unterstützte Kommunikation dargestellt werden.

Regeln und Konsequenzen

Die Kinder sollen Regeln als sinnvoll erleben. Regeln und Prozeduren sollten möglichst früh beim Lernen auf Distanz eingeführt und immer wieder reflektiert werden. Sie sind umso wirkungsvoller, je klarer sie als Verhaltenserwartung formuliert sind und je mehr ihr Sinn in der Gemeinschaft akzeptiert wird. Die Sinnhaftigkeit von Regeln und Konsequenzen werden zusammen mit den Kindern erarbeitet.

Grenzen setzen und Konsequenzen umsetzen sind notwendige Schritte, die in Absprache mit dem Kollegium zum Erfolg führen. Dabei werden Konsequenzen transparent dargestellt, z.B. über ein Verstärkersystem mit individuellen Zielen und Belohnungen. Kontinuierliche Rückmeldungen über Erfolge im Verhalten sind erforderlich.

Praxis: Regeln, Symbole, Spiele

Hygiene- und Distanzregeln

Diese Regeln sind in Coronazeiten nicht mit Kindern zu verhandeln, sondern gesetzt. Anhand von bebilderten Regelkarten wird die Bedeutung und Sinnhaftigkeit der Regeln geklärt. Fertige Karten können hier heruntergalden werden (Mit freundlicher Genehmigung von Annette Kitzinger und Metacom).

Spiele ohne Körperkontakt in Präsenz

Das gemeinsame Spielen ist ein wichtiger Baustein des Schullebens, der durch Abstands- und Hygieneregeln gestört wird. Gezielt müssen nun Spiele und Aktivitäten geplant werden, die die neuen Regeln berücksichtigen. Häufig können aber „Klassiker“ („Simon sagt“, „Hangman“, „Menschen-Memory“, …) schon durch kleine Anpassungen dahingehend abgewandelt werden.

Regeln in Videokonferenzen

Neben Regeln zum pünktlichen Erscheinen und zum freundlichen Umgang sind vor allem die allgemeinen Gesprächsregeln auch für Videokonferenzen wichtig: Zuhören, Melden, Aufrufen durch die Lehrperson, Kinder erteilen das Rederecht, Meldekette. Insbesondere ist zu klären, wann wer sprechen darf. Oft empfiehlt sich die selbstständige Stummschaltung der Mikrofone durch die Kinder. Wer aufgerufen wird, schaltet sein Mikrofon ein und spricht.

Emotionskarten

Ein aufmunterndes Lächeln verschwindet hinter dem Mundschutz. Da die Mimik eingeschränkt ist, können Symbole und Emotionskarten helfen, den Gesichtsausdruck zu verdeutlichen. Als „U“ geformte Finger können ein schnelles Lächeln anzeigen, Emotionskarten mit gezeichneten Mündern den Gefühlszustand verdeutlichen.

Spiele in Videokonferenzen

Auch Spiele in Videokonferenzen unterstützen das Erleben von Gemeinschaft. Bekannte Spiele lassen sich anpassen – auch mit Hilfe von Funktionen des Videokonferenztools wie Chat und Whiteboard.

Miteinander kreativ

Die Identifikation mit der eigenen Klasse und der Schule an sich rückt in diesen Zeiten besonders in den Fokus. Aus diesem Grund sollte Wert darauf gelegt werden, dass man sich als Teil einer Gemeinschaft erleben kann. Es müssen Situation geschaffen werden, in denen sich Kinder austauschen können und so unabhängig von Präsenztagen etwas voneinander erfahren. Auch die Anregung gemeinsamer Tätigkeiten auf Distanz ist wünschenswert.

Praxisbeispiele

Gemeinsames Handlungsprodukte

Klassen-Hörgenuss

Die Kinder sprechen ein Gedicht oder singen ein Lied und nehmen den Vortrag mit einem Smartphone oder Tablet auf. Die Lehrerin oder der Lehrer fügt die Aufnahmen zusammen.

Projekt Steinschlange

Die Kinder gestalten individuelle Steine, indem sie diese bemalen oder auf andere Weise kreativ bearbeiten. Die fertigen Steine werden dann an einem abgesprochenen Ort in Form einer Steinschlange gesammelt. Je nach Zugänglichkeit des Ortes während des Unterrichts können Fotos der Steinschlange die Kinder über die aktuelle Größe informieren.

Wortsammlung

Die Kinder sammeln Wörter zu einer vorgegebenen Fragestellung an einer bestimmten Stelle (z. B. „Probiere, mit einem Wort zu antworten: Was hast du an der Schule am meisten vermisst?“). Die vollständige Sammlung kann während der Präsenzeiten im Unterricht genutzt werden. Für die Sammlung der Wörter bietet sich u. a. das Online-Tool Oncoo an. Die Kinder können ihr Wort in Form eines Post-It’s an ein digitales Pinnboard heften.

Korkmännchen

Korkmännchen sind eine Erfindung des Sportlehrer Josef Foos. Sein Vorbild war das Projekt „Little People“ (Kleine Menschen) des Streetart-Künstlers Slinkachu, der Modelleisenbahnfiguren in kleinen Szenen platzierte.
Die Kinder werden angeregt, individuelle Korkmännchen aus verschiedenen Korken und Holzspießen zu gestalten. Mit den fertigen Männchen sollen sie in ihrer Wohnumgebung eine szenische Darstellung realisieren und diese fotografieren. Die Fotos können im Präsenzunterricht auf unterschiedliche Weise ausgestellt werden.


Grundschule Ideenwiese

Projekt Steinschlange

Aktuelle Wochenchallenge