Unterstützungsbedarf

Lernprozesse für Kinder mit besonderem (auch sonderpädagogischem) Unterstützungsbedarf müssen besonders sorgfältig geplant und begleitet werden. Differenzierungsmaßnahmen müssen an die individuellen Voraussetzungen und Bedingungen angepasst werden und auf einer Förderplanung beruhen.

Unser Praxisbeispiel zeigt am Beispiel Unterstützungsbedarf den Weg von einer Zielformulierung hin zum Erreichen eines Schulentwicklungsziels. Dies soll darin unterstützen, die eigene Zielformulierung zu konkretisieren und darauf aufbauend die Handlungsplanung auszugestalten. Der Prozess der Qualitätsentwicklung im Sinne eines Qualitätszyklus kann so nachvollzogen und umgesetzt werden.

Qualitätszyklus am Beispiel „Unterstützungsbedarf“

Analyse der Ausgangslage

• Auseinandersetzung mit der Checkliste zur lernförderlichen Verknüpfung von Präsenz- und Distanzunterricht
• oder: Evaluation (z.B. Befragung) zum Ist-Stand einzelner Items in diesem Kontext hat stattgefunden
• Schulentwicklungsvorhaben wird daraus abgeleitet

Items der Checkliste:

A 8 – Vereinbarungen zur Förderung von Kindern mit besonderen Bedarfen (z. B. DaZ, sonderpädagogischer Unterstützungsbedarf) beziehen sich auch auf den Distanzunterricht.
A 9 – Ziele und Maßnahmen der Förderpläne berücksichtigen sowohl die Situation des Präsenz- als auch des Distanzunterrichts.

Entwicklung einer gemeinsamen Perspektive

Zielformulierung konkretisiert das Schulentwicklungsvorhaben

Kinder mit besonderem Unterstützungsbedarf (z.B. DaZ) und sonderpädagogischem Unterstützungsbedarf erhalten in den verschiedenen Unterrichtsszenarien basierend auf der Förderplanung individuelle Förderung und können erfolgreich weiter lernen.

Indikatoren zur Zielerreichung (später Wiederaufnahme in Evaluation)

Die Kinder lernen auf Grundlage der individuellen Förderziele. Diese und die Maßnahmen zur Erreichung sind formuliert und die Termine zur Überprüfung sind festgelegt, sodass für die Kinder die Handlungsschritte zu bewältigen und das Förderziel zu erreichen sind. Förderziele und Maßnahmen knüpfen an Ressourcen der Kinder an. Der Erfolg der Förderplanung lässt sich am Erreichen der Förderziele erkennen.

Handlungsplanung | Arbeitsschritte

Was?
• wichtige Arbeitsschritte und Etappen definieren (Vereinbarung zur Förderplanung, zum Format des Förderplans, Rolle der beteiligten Pädagog*innen (Klassenlehrer*in, Sonderpädagog*in, Sozialpädagog*in, Schulbegleiter*in) definieren
• Dokumentation der Handlungsplanung z.B. in einer Übersicht

Von wem?
• Zuständigkeiten, Verantwortlichkeiten klären und festhalten
• Kommunizieren der Förderplanung in Teams/Lehrerkonferenzen zur Information, bspw. fester Tagesordnungspunkt in Lehrerkonferenzen, Information und Einbeziehen der Eltern

Bis wann?
• Zeitrahmen fest vereinbaren – für Arbeitsschritte, Etappen, Evaluation

Umsetzung auf Grundlage der Handlungsplanung

• kontinuierliche Unterrichtsplanung in (multiprofessionellen) Teams mit besonderer Beachtung der Ressourcen der Kinder mit Unterstützungsbedarf
• Formulieren der Förderziele und Maßnahmen in einem Förderplan
• Material / Vorlage zur Förderplanung erstellen
• Kinder lernen mit Unterstützung des Förderplans
• die beteiligten Pädagog*innen haben sich zu Formen der Rückmeldung und Lernbegleitung vereinbart und agieren danach

Evaluation (Aufgreifen der Indikatoren)

• Überprüfung der Förderzielerreichung – Gründe für das Erreichen oder Nicht-Erreichen der Ziele erörtern und den anschließenden Förderplan erstellen
• möglich: Befragung der Kinder und / oder der Eltern bzgl. der Förderplanung (Waren die Förderziele passend? Was muss geändert werden? Was kann bleiben?)
• Sind die Absprachen zur Förderplanung geeignet?
• Verbessert das Schulentwicklungsvorhaben die Praxis der Individuellen Förderung an der Schule?

Items für Lehrerinnen und Lehrer
• Förderziele und Maßnahmen waren so festgelegt, dass das Kind sie erreichen konnte.
• Der Förderplan war klar strukturiert.
• Das Zusammenwirken im Team hat dazu beigetragen, dass das Kind die Ziele erreicht hat.
• Die Eltern haben an der Förderplanung mitgewirkt.

Items für Eltern
• Wir sind in die Förderplanung einbezogen worden.
• Wir sind mit den Lehrer*innen in regelmäßigem Austausch über die Förderplanung und die Lernentwicklung unseres Kindes.

Items für Kinder
• Ich habe gemeinsam mit meiner Lehrerin herausgefunden, was ich schon gut kann und was ich noch brauche.
• Wir haben zusammen überlegt, wie ich meine Ziele erreichen kann.
• Ich weiß, an welchen Zielen ich arbeite.

Verankerung

neue Praxis verbindlich ins Schulprogramm aufnehmen und bewahren | pädagogische Praxis sichern | Ziel wird nun zum festen Element gelebter Schulkultur

• Einpflegen der Differenzierungsmaßnahmen in die schulinternen Lehrpläne / Unterrichtsvorhaben
• Ausarbeitung des Unterstützungskonzeptes / Konzepts zur Individuellen Förderung
• Abgleich mit dem Schulprogramm
• erreichtes Ziel als Ausgangspunkt für Weiterentwicklung / Erweiterung des Konzeptes
• Ausarbeitung des Methodenkonzepts / Methodencurriculums der Schule

was | wer | bis wann
Arbeitsschritte (Was)Verantwortlichkeit (Wer)Termin (Bis wann)
Lehrerkonferenz am 08.02.20XX mit dem TOP „Formular zur Förderplanung“
Alle Lehrkräfte einigen sich auf ein Formular, das verbindlich für Kinder mit Unterstützungsbedarf ausgefüllt wird. Einmal pro Monat ist die Förderplanung TOP auf der Lehrerkonferenz (Austausch).
SchulleitungDatum: 08.02.20XX Austausch Förderplanung am: 10.03.20XX 12.04.20XX 08.05.20XX 01.06.20XX
Regelmäßige Teamsitzungen finden statt: KL, Sonderpädagogin, LuL der Klasse.
Verfassen der Förderpläne wird als gemeinsame Aufgabe während der Teamzeit gesehen.
Individuelle Ziele (max. 3) werden so kleinschrittig formuliert, dass das Kind die Ziele erreichen kann.  Dauer des Förderplans beträgt 6 Monate.
Protokoll der Teamzeit wird bei der SL eingereicht.
Klassenlehrer*in, Sonderpädagog*in, Lehrer*innenTeamzeiten sind einmal wöchentlich, montags von 13:30 Uhr bis 15:30 Uhr, Bedürfnisse von Lehrer*innen / Kolleg*innen in Teilzeit werden berücksichtigt. Förderplanung wird bis zum 06.06.20XX durchgeführt.
Materialien werden für jedes Kind gezielt zusammengestellt. Absprachen über deren Einsatz werden getroffen.Klassenlehrer*in, Sonderpädagog*in, Lehrer*innenfortlaufend
Einmal pro Monat werden die Förderpläne gemeinsam in den Blick genommen.
Fragehaltung: Ist ein Ziel bereits erreicht worden? Sind die Ziele weiterhin passend? Was hat sich entwickelt, verändert?
Klassenlehrer*in, Sonderpädagog*in, evtl. Fachlehrer*innenTeamzeiten nutzen
Eltern werden in die Förderplanung einbezogen. 
Eltern bringen ihre Vorschläge ein. Ein regelmäßiger Austausch zwischen Eltern und Lehrer*innen findet alle zwei bis drei Monate telefonisch oder persönlich statt.
An Elternsprechtagen erfolgt der Austausch in einem persönlichen Gespräch zwischen Eltern, Klassenlehrer*in und Sonderpädagog*in.
Klassenlehrer*in, Sonderpädagog*in, Lehrer*innenElterngespräch zur Besprechung Förderplan 1 am 16.02.20XX Nächster Gesprächstermin telefonisch am 15.04.20XX Elternsprechtag am 07.06.20XX
Die Förderziele werden mit dem Kind besprochen und die Maßnahmen werden erörtert.Klassenlehrer*in, Sonderpädagog*inGespräch mit dem Kind am 17.02.20XX Gespräche mit den Kindern nach individuellen Terminen
Lehrerkonferenz zum Schuljahresende: Der Einsatz, die Handhabung, die Kooperation zwischen Klassenlehrer*in – Sonderpädagog*in und  Lehrer*innen sowie zwischen Klassenlehrer*in – Sonderpädagog*in – Eltern wird rückblickend evaluiert. Weiterhin werden die Zielformulierungen evaluiert (Waren sie verständlich formuliert; konnte das Kind sie erreichen?).Schulleitung, Klassenlehrer*in, alle Lehrer*innenLehrerkonferenz am 02.07.20XX
Evaluation / nach Auswertung des EVA – Bogens erfolgt die Anpassung / Klärung der ErgebnisseSteuergruppe
Der Bereich „Unterstützungsbedarf“ ist regelmäßiges Thema auf den Lehrerkonferenzen im kommenden Schuljahr. Einmal pro Monat steht es auf der TO.

Material

Qualitätszyklus | Leerraster | Checkliste