Videokonferenzen

Videokonferenzen sind im Rahmen des Lernens auf Distanz ein wichtiges digitales Lernangebot, das dem Bedürfnis nach Begegnung entgegenkommt und Kommunikation auch auf audiovisueller Ebene ermöglicht. Auf diesem Wege kann Schule in den Familien präsent bleiben und die Lehrkraft das Lernen zu Hause begleiten. Auch nach der Pandemie können Videokonferenzen weiterhin gewinnbringend eingesetzt werden, z. B. bei langfristig erkrankten Kindern, für Lernberatungsgespräche oder kurze und zeitökonomische Zusammenkünfte im Kollegium.

Voraussetzungen

Hardware
  • Laptop oder Standcomputer mit integrierter oder externer Kamera / Webcam und Mikrofon
  • Alternativ: Tablet, ggf. mit Halter
  • Alternativ (Notlösung): Smartphone
Software

Bei der Auswahl einer passenden Videokonferenz-Software sollten folgende Funktionsanforderungen beachtet werden:

  • Funktion zum Teilen des eigenen Bildschirms auch von mobilen Endgeräten (z. T. nur über Laptop / PC möglich)
  • Gemeinsame Tafel zur Zusammenarbeit
  • Funktion zur Stummschaltung einzelner Teilnehmerinnen und Teilnehmer durch die Lehrkraft
  • Optional: Chat zum schnellen Verschicken von Links durch die Lehrkraft
  • Optional: Umfragetool für schnelle Feedback-Möglichkeiten
Vorbereitung

Entscheidend ist eine Einarbeitung in das Tool. Zusätzliche Funktionen wie Chats, Bildschirmteilen oder Statusanzeigen werden schnell von Kindern gefunden und erprobt. Daher sollten Lehrkräfte wissen, welche Einstellungen möglich sind.

Vorbereitend ist ein Probelauf mit Eltern zu empfehlen. So können technische Probleme vorab erkannt und behoben werden. Hier können auch Abläufe dargestellt und Fragen geklärt werden. Hilfreich sind zudem schriftliche Anleitungen für Eltern und / oder Kinder.

Wenn die Lehrkraft Webseiten zeigen möchte, sollten diese vor der Konferenz schon aufgrufen werden. Das Teilen des Bildschirmes klappt dann zügiger.

Die Nutzung der integrierten Whiteboardfunktion sollte vorab erprobt werden. Hier kann gemeinsam mit den Kindern gearbeitet werden, wenn der Mehrfachbenutzermodus angestellt wird.

Organisation

Videokonferenzen sind didaktisch und technisch zunächst anspruchsvoll ­– für Kinder, Eltern und Lehrerinnen wie Lehrer. Eine funktionierende Infrastruktur mit Kamera und Mikrofon, passend eingerichtete Software sowie der vorausgehende Erwerb von Bedienfertigkeiten sind die Basis für funktionierende Zusammenkünfte.
Für Kinder, denen keine digitalen Geräte zur Verfügung stehen, müssen andere Kommunikationswege geöffnet werden.

Verhaltensregeln

Mit den Kindern werden nach und nach die unterschiedlichen Möglichkeiten der Nutzung von Videokonferenzen (als methodische Schwerpunkte) eingeführt und die jeweils passenden Regeln für das digitale Klassenzimmer erarbeitet bzw. erweitert.

Gesprächsregeln sind im Analogen und Digitalen gleichermaßen von Bedeutung: Zuhören, Melden, Aufrufen durch die Lehrkraft, Kinder erteilen das Rederecht, Meldekette.
Insbesondere ist zu klären, wann wer sprechen darf. Oft empfiehlt sich die selbstständige Stummschaltung der Mikrofone durch die Teilnehmerinnen und Teilnehmer. Wer aufgerufen wird, schaltet sein Mikrofon ein und spricht.
So werden auch häufig störende Hintergrundgeräusche vermieden.

Zeiten planen

Videokonferenzen für jüngere Kinder sollten nicht zu lang sein, da sie ihnen ein hohes Maß an Konzentration abverlangen.
Je nach angestrebtem Ziel ist die Aufteilung einer Klasse in Kleingruppen von maximal 5 Kindern (beispielsweise für Lernsprechstunden) empfehlenswert.

Je nach Alter können sich die Kinder unterschiedlich lang konzentrieren. Da es vor allem jüngeren Kindern schwerfällt, sich in dieser besonderen Situation mitzuteilen, fallen deren Redebeiträge dementsprechend kürzer aus. Bei einigen älteren Gruppen kann das Mitteilungsbedürfnis aber auch sehr hoch sein. So kann die Zeit der Videokonferenz je nach Gruppe auch unterschiedlich lang ausfallen.

Die Klassenstufen sollten unterschiedliche Zeitfenster für Videokonferenzen haben, um die Computerzeit in Familien mit mehreren Kindern und nur einem Endgerät besser zu verteilen.

Rechtliches

Persönlichkeitsrecht

Die Kamera gewährt Einblicke in das Zuhause aller Beteiligten. Das sollte allen bewusst sein. Man hört ggf. auch Geräusche und Gespräche aus dem Hintergrund. Umso wichtiger ist es, dass die Kinder lernen ihre Mikrofone selbstständig stumm zu schalten.

Urheberrecht

Genutzte Materialien der Lehrkraft sollten rechtlich „in Ordnung“, also zu diesem Zweck legal nutzbar sein. Meist ist die Präsentation einzelner Seiten für die eigene Klassengruppe erlaubt.

Schutz persönlicher oder sensibler Daten

Daten in Form von Namen, geschriebenen Texten, Ton und Video werden bei Videokonferenzen verarbeitet. Daher ist es erforderlich, sich vorab zu informieren, wo und wie der von Ihnen in Betracht gezogene Anbieter seine Daten verarbeitet und speichert und mit dem Betreiber der Software einen ADV-Vertrag abzuschließen.

Einwilligung

Es empfielt sich, für Videokonferenzen eine gesonderte Einwilligungserklärung abzuschließen. Darin sollten Lehrkräfte sich von Elternseite auch unterschreiben lassen, dass ein absolutes Verbot für Mitschnitte und Speicherungen besteht. In der Grundschule ist davon auszugehen, dass Eltern oft im Hintergrund als stille Zuhörer zugegen sind; das sollte unbedingt vorher thematisiert werden.

Datenschutz

Freiwilligkeit

Auch, wenn der Zugang zu einer Videokonferenz niederschwellig möglich ist, können oder wollen einige Familien nicht teilnehmen. Bei Sprachbarrieren oder technischer Unsicherheit kann unterstützt werden. Vielleicht darf das Kind nur mit Ton und ohne Video teilnehmen. Auf jeden Fall ist sicherzustellen, dass auch diese Kinder eine Möglichkeit der Kontaktaufnahme zumindest mit der Lehrkraft haben.

Einsatzbeispiele
  • Erster Kontakt mit dem Werkzeug
    Kurzes Treffen für 15-30 Minuten mit Erzählkreis: Die Kinder lernen das Tool kennen, können die Mikrofone an- und ausstellen und üben die Meldekette.
  • Einführung des kollaborativen Whiteboards
    Mehrbenutzermodus: Auf einer leeren Folie entsteht – Stück für Stück – ein Bild (Meldekette).
  • Sozialer Kontakt
    Offene Plauder-Runde: Für eine bestimmte Zeit dürfen die Kinder frei miteinander sprechen.
  • Erläuterung und Erklärung
    Zum Beispiel Vorstellung eines neuen Unterrichtsvorhabens, Erklärung von Arbeitsmethoden, Einführung eines neuen digitalen Tools.
  • Begleitung der Wochenaufgaben
    Lernsprechstunde offen oder in Kleingruppen zu einer verabredeten Zeit an einem bestimmten Tag
  • Pflege der Klassengemeinschaft
    Digitaler Morgenkreis mit Meldekette
  • Soziales Miteinander
    Spiele zur Stärkung des Gemeinschaftsgefühls
  • Wertschätzung von Lernprodukten
    Präsentationsrunde:
    Kinder halten ihre Lernprodukte in die Kamera. (Alternative: Temporäres Übergeben von Moderationsrechten an Kinder)
  • Individuelle Förderung
    Feste Förderstunden zur Unterstützung einzelner Kinder oder Kleingruppen.
  • Lernen in Gruppen
    Gruppenarbeit in Videogruppenräumen (Funktion vieler Videokonferenz-Tools)

Grundschule Ideenwiese

Berichte aus den Klassen